Samstag, 10. Juli 2010 um 21:40

Von Riesenängsten und Öl in einer runden Ecke – Der Besuch zweier Ausstellungen in Dresden

Die eine Ausstellung wurde mit einer Vernissage am Donnerstag eröffnet; die andere mit einer Finissage am Freitag geschlossen. Die eine zeigt Malerei und Grafik von Lucas Oertel und die andere zeigte junge Positionen von Dresdner Kunststudenten.

Es war schon abends aber noch taghell als am Donnerstag die Ausstellung Die Riesenangst mit Malerei und Grafik von Lucas Oertel in der Galerie treibhaus eröffnet wurde. Für den Galerieraum im Dresdner Stadtteil Neustadt ist das Tageslicht ein großer Vorteil. Vor allem wenn es um Malerei und Farbe geht. Die Galerie ist fast vollständig mit einem trüben Glasdach überdeckt und das Tageslicht kann sich dadurch hervorragend in alle Ecken des Raumes verteilen. Lucas Oertels Ölmalerei kommt das natürlich zugute. Die Bilder des Dresdner Malers leben durch die Leuchtkraft ihrer Farben, und das besonders bei natürlichem Licht. Die Ausstellung wird durch einen Riesen dominiert, der eine ganze Wand fast bis zum Dach hoch besetzt. Eine Arbeit die aus mehreren alten und übermalten Bildträgern zusammengesetzt wurde und puzzle-artig eine riesige organgfarbene Kreatur ergibt. Trotz seiner Größe wirkt er ängstlich. Die Riesenangst bleibt aber nicht die einzige Arbeit in der Ausstellung die von merkwürdigen Kreaturen bevölkert wird. Angst braucht man aber nicht zu befürchten. Die Individuen auf Lucas Oertels Bildern wirken gutmütig, selbst wenn sie Konflikte ausfechten. Aber meist geht es sehr spielerisch in Lucas Oertels Bildern zu. Es wird auf einem Esel geritten, es wird Volleyball gespielt, es wird im Kreis getanzt, es wird geliebt oder es wird dem Besucher in starken Farbkontrasten ins Gesicht gegrinst. Die Ausstellung Die Riesenangst läuft noch bis zum 7. August. Mehr über den Maler Lucas Oertel könnt Ihr übrigens auch im neuen Low Heft lesen.

Wenn die eine Ausstellung eröffnet wird, schließt andernorts eine andere. Zumindest war das einen Tag später, am Freitag, der Fall. Selbe Stadt, anderer Stadtteil. Auf der anderen Seite der Elbe, in Dresden-Friedrichstadt, gibt es die Runde Ecke. Vermutlich eine Art ungenutzte Werkstatt an der Ecke einer Kreuzung. Die Fasade dieses Eckgebäudes ist eben rund. Im Raum wurde am Abend mit einer sogenannten Finissage eine Gruppenausstellung junger Dresdner Kunststudenten beendet, die fast zwei Wochen lang lief. Dort gab es Positionen verschiedenster Art von elf Künstlern zu sehen und man konnte einen kleinen Überblick über das derzeitige Schaffen der momentanen Studentenschaft der HfBK Dresden erhaschen. Im Obergeschoss lief zum Beispiel ein kurzes Animationsvideo von Anita Müller. Protagonist von Mexico – so der Titel der Arbeit – war ein noengrüner Papierfisch. Man könnte meinen, die Künstlerin gibt uns einen Einblick in die Unterwasserwelt im Golf von Mexiko vor der großen Ölkatastrophe. Der kleine quadratische Raum nebenan wurde mit Objekten von Michael Klipphahn bespielt: ein Mini-Trampolin, mehrere Keilrahmen mit leuchtfarbenen Velourstoff bezogen und eine Art zur Kunst erhobener Ölfarbenabstreichlappen mit dem Titel Versatzstück D7. Auf der schmalen dunklen Treppe hinab in den Hauptraum der Runden Ecke entdeckte ich einen kleinen Leuchtkasten der in roten Buchstaben »Red Red Fox« leuchtet. Ich fühlte mich kurz ins Rotlichtmilieu der Reeperbahn in Hamburg versetzt. Als würde ich einen schmuddeligen Kellerstripklub namens Red Red Fox betreten. Die Arbeit stammt von Jakob Flohe. Im Hauptraum der runden Ecke gibt es weitere Positionen, wie zum Beispiel die zu drei steilen Scheiterhaufen aufgetürmten Elements von Ralf Aßmann, gekrönt von drei verschiedenen Kopfplastiken: ein Steinhaufen, ein Erdhaufen und ein Holzhaufen, den ich mit dem Element Feuer in Verbindung brachte. Desweiteren gab es zum Beispiel kleine cartoonartige Zeichnungen von Florian Schmidt, ein mit Smarties aufgefülltes Erdloch von Michael Klipphahn, ein weiteres Video von Anita Müller – um nur ein paar der Positionen zu nennen. Sogar ein langer Ölfleck in der Mitte des Raumes gehörte zur Ausstellung. Wie man mir versicherte, sollte er später noch in einer Performance von Justus Bräutigam entfernt werden. Ob die Arbeit mit dem Titel Ist das Öl? nun eine weitere Anspielung auf die Ölkatasrophe im Golf von Mexico war, bleibt spekulativ. Wie das Öl entfernt wurde habe ich leider nicht mehr gesehen. Aber vielleicht waren ja einige Ingenieure des BP-Konzerns später noch vor Ort.

Einen noch umfassenderen Überblick über das derzeitige Schaffen der HfBK-Studenden könnt Ihr übrigens ab dem 16. Juli in den Hochschulgebäuden auf der Pfotenhauerstraße und der Brühlschen Terrasse bekommen, denn da eröffnet für eine Woche die Jahresausstellung der HfBK Dresden.

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Vernissage Lucas Oertel: Die Riesenangst
(Foto: Nadja Poppe)

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Vernissage Lucas Oertel: Die Riesenangst
(Foto: Nadja Poppe)

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Vernissage Lucas Oertel: Die Riesenangst (Foto: Nadja Poppe)

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Gruppenausstellung Runde Ecke (Foto: D. Winkler)

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Jakob Flohe Red Red Fox (Foto: D. Winkler)

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Klara Meinhardt Lovers (Foto: D. Winkler)

Written by Danny Winkler

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