Es scheint als ob sich Dresden in einer Aufwachphase aus einem langen tiefen Schlaf befindet. Vor allem in der zeitgenössischen Kunst hat Dresden seit Jahren Aufholbedarf. Die Stadt an der Elbe im Süden Ostdeutschlands ist verschrien dafür, dass sie sich gern auf ihrer barocken Geschichte ausruht und dem zeitgenössischem Kunsttreiben und Bauwesen eine Abfuhr erteilt. Beispiele gibt es dafür genug, wie der Wiederaufbau der historischen Altstadt nach barockem Vorbild – von vielen auch ironisch als Kulissenstadt und Disneyland bezeichnet. Ein Museum für zeitgenössische Kunst war vor kurzem für einen zentralen Standpunkt in dieser Altstadt im Gespräch. Es wurde nie realisiert.
Vor einem gefühlten viertel Jahrhundert schloss das Albertinum mit der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Elbehochwasser von 2002 hatte das Museum getroffen und es sollte nun wasserdicht und modernisiert werden. Jetzt endlich, nach sechjähriger Umbauzeit wurde das neue Albertinum am 20. Juni wiedereröffnet und präsentiert jetzt Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart. Der kunstinteressierte Dresdentourist oder Einwohner kann ab diesem Sommer wieder die Werke von Casper David Friedrich, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Claude Monet, Auguste Rodin, Otto Dix, die Bilder der Künstlergruppe Die Brücke oder auch die Bilder von Zeitgenossen wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, A.R. Penck und anderer betrachten. Auch wenn die Präsentation und die Auswahl der gezeigten Kunst nicht immer optimal wirkt, ist hoffentlich damit ein Zeichen gesetzt wurden, das die Stadt Dresden in ihrem Kulturbetrieb weiter nach vor bringen wird. Aber nicht immer kommen die Impulse von städtischer und staatlicher Seite. Oftmals sind es die künstlerischen und kulturtreibenden Einwohner der Stadt, die die Kunstlandschaft einer Stadt prägen. Auch Dresden hat diese Seite.
Low hat für seine Leser vier Kunsttipps für Dresden in dieser Woche zusammengestellt. Darunter Malerei, Performance, Fotografie und experimentelles – und alles nahezu barocklos.

Lucas Oertel, Wiederfinden, 2009, Öl auf Leinwand
- LUCAS OERTEL: DIE RIESENANGST, Malerei & Grafik
- Vernissage: Donnerstag, 8.7.2010, 19:30 Uhr
- Galerie treibhaus, Katharinenstr. 11/13, 01099 Dresden
- 8.7.2010–8.8.2010

- THE INCREDIBLE 10, experimentelles Musik- & Kunstfestival
- Von Freitag, 9.7.2010 bis Sonntag, 11.7.2010
- friedrichstadtZentral, Friedrichstr. 52, 01067 Dresden
Drei Tage lang laden sie ein, unseren Ohren ungewöhnliche Wege zu öffnen, zu erfahren, zu erforschen: digital oder analog, eindrucksvoll oder nervend, melodisch oder atonal, strukturiert oder chaotisch.
Ein Labyrinth von Sound-, Video- und Lichtinstallationen wird euch durch die Untergeschosse des friedrichstadtZentrals führen, um zurück an der Oberfläche Ausstellungen von Malerei über Fotografie und Objektkunst bis zu Filmvorführungen zu erleben.
Elisabeth Rosenthal, Performance, The Spot, Dresden, Video von Pät Schwarz
- ELISABETH ROSENTHAL: BIRDYWORK, Performance
- Samstag, 10.7.2010, 21 Uhr, 22 Uhr und 23 Uhr je 30 Minuten
- Albertinum, Eingang Brühlsche Terrasse und Georg-Treu-Platz, 01067 Dresden
- Skulpturenhalle, Erdgeschoss

Jeff Wall, Morning Cleaning, Mies van der Rohe Foundation, Barcelona, 1999, Großbilddia in Leuchtkasten, © Jeff Wall
- JEFF WALL: TRANSIT, Fotografie
- Öffnungszeiten: 10–18 Uhr, montags geschlossen
- Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, 01067 Dresden
- 20.6.2010–19.9.2010
(Foto oben: Elisabeth Rosentahl, video still, Pät Schwarz)
