Montag, 05. Juli 2010 um 13:58

Vier Kunsttipps für Dresden

In Dresden findet langsam wieder mehr zeitgenössische Kunst statt. In dieser Woche gibt es zum Beispiel während der Museumssommernacht im neueröffneten Albertinum die Birdyworks-Performance der jungen Dresdner Künstlerin Elisabeth Rosenthal (Foto). In der benachbaren Kunsthalle im Lipsiusbau läuft seit dem 20. Juni die Ausstellung Transit des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall. In der Galerie treibhaus im Stadtteil Neustadt eröffnet der Maler Lucas Oertel eine neuen Ausstellung und im Stadtteil Friedrichstadt steigt das experimentelle Musik- und Kunstfestival The Incredible 10.

Es scheint als ob sich Dresden in einer Aufwachphase aus einem langen tiefen Schlaf befindet. Vor allem in der zeitgenössischen Kunst hat Dresden seit Jahren Aufholbedarf. Die Stadt an der Elbe im Süden Ostdeutschlands ist verschrien dafür, dass sie sich gern auf ihrer barocken Geschichte ausruht und dem zeitgenössischem Kunsttreiben und Bauwesen eine Abfuhr erteilt. Beispiele gibt es dafür genug, wie der Wiederaufbau der historischen Altstadt nach barockem Vorbild – von vielen auch ironisch als Kulissenstadt und Disneyland bezeichnet. Ein Museum für zeitgenössische Kunst war vor kurzem für einen zentralen Standpunkt in dieser Altstadt im Gespräch. Es wurde nie realisiert.

Vor einem gefühlten viertel Jahrhundert schloss das Albertinum mit der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Das Elbehochwasser von 2002 hatte das Museum getroffen und es sollte nun wasserdicht und modernisiert werden. Jetzt endlich, nach sechjähriger Umbauzeit wurde das neue Albertinum am 20. Juni wiedereröffnet und präsentiert jetzt Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart. Der kunstinteressierte Dresdentourist oder Einwohner kann ab diesem Sommer wieder die Werke von Casper David Friedrich, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Claude Monet, Auguste Rodin, Otto Dix, die Bilder der Künstlergruppe Die Brücke oder auch die Bilder von Zeitgenossen wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, A.R. Penck und anderer betrachten. Auch wenn die Präsentation und die Auswahl der gezeigten Kunst nicht immer optimal wirkt, ist hoffentlich damit ein Zeichen gesetzt wurden, das die Stadt Dresden in ihrem Kulturbetrieb weiter nach vor bringen wird. Aber nicht immer kommen die Impulse von städtischer und staatlicher Seite. Oftmals sind es die künstlerischen und kulturtreibenden Einwohner der Stadt, die die Kunstlandschaft einer Stadt prägen. Auch Dresden hat diese Seite.

Low hat für seine Leser vier Kunsttipps für Dresden in dieser Woche zusammengestellt. Darunter Malerei, Performance, Fotografie und experimentelles – und alles nahezu barocklos.

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Lucas Oertel, Wiederfinden, 2009, Öl auf Leinwand

LUCAS OERTEL: DIE RIESENANGST, Malerei & Grafik
Vernissage: Donnerstag, 8.7.2010, 19:30 Uhr
Galerie treibhaus, Katharinenstr. 11/13, 01099 Dresden
8.7.2010–8.8.2010
Lucas Oertel (geb. 1983 in Dresden) studierte von 2002 bis 2008 an der HfBK Dresden und ist seit 2008 Meisterschüler bei Prof. Peter Bömmels. Seine Gemälde sind von Mischwesen bevölkerte Phantasiereiche. Ihre Gesten haben etwas Unbefangenes, Unverdorbenes. Sie wirken aufrichtig und ehrlich, doch ist ihr Miteinander oft konfliktreich und durchzogen von untergründigen Spannungen. (Mehr über Lucas Oertel steht in Low Heft N°6, das auch in dieser Woche erscheint.)


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THE INCREDIBLE 10, experimentelles Musik- & Kunstfestival
Von Freitag, 9.7.2010 bis Sonntag, 11.7.2010
friedrichstadtZentral, Friedrichstr. 52, 01067 Dresden
Das experimentelle Musik- und Kunstfestival The Incredible 10 ist eine Plattform für den internationalen und nationalen Austausch im Bereich der experimentellen Musik und der darstellenden und bildenden Kunst.
Drei Tage lang laden sie ein, unseren Ohren ungewöhnliche Wege zu öffnen, zu erfahren, zu erforschen: digital oder analog, eindrucksvoll oder nervend, melodisch oder atonal, strukturiert oder chaotisch.
Ein Labyrinth von Sound-, Video- und Lichtinstallationen wird euch durch die Untergeschosse des friedrichstadtZentrals führen, um zurück an der Oberfläche Ausstellungen von Malerei über Fotografie und Objektkunst bis zu Filmvorführungen zu erleben.



Elisabeth Rosenthal, Performance, The Spot, Dresden, Video von Pät Schwarz

ELISABETH ROSENTHAL: BIRDYWORK, Performance
Samstag, 10.7.2010, 21 Uhr, 22 Uhr und 23 Uhr je 30 Minuten
Albertinum, Eingang Brühlsche Terrasse und Georg-Treu-Platz, 01067 Dresden
Skulpturenhalle, Erdgeschoss
Die Künstlerin arbeitet mit dem Publikum und erhebt das als lächerlich und unanständig geltende Pfeifen zu etwas Wertvollem. Der Eintritt ist frei.


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Jeff Wall, Morning Cleaning, Mies van der Rohe Foundation, Barcelona, 1999, Großbilddia in Leuchtkasten, © Jeff Wall

JEFF WALL: TRANSIT, Fotografie
Öffnungszeiten: 10–18 Uhr, montags geschlossen
Kunsthalle im Lipsiusbau, Brühlsche Terrasse, 01067 Dresden
20.6.2010–19.9.2010
Parallel zur Eröffnung des Albertinums zeigen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in der vis-à-vis gelegenen Kunsthalle im Lipsiusbau eine große Ausstellung mit Werken des kanadischen Künstlers Jeff Wall (*1946). Die unter dem Motto Transit zusammengestellten Bilder behandeln das Thema des Übergangs und der Veränderung im Kontext historischer, soziologischer und alltäglicher Erfahrungen.

(Foto oben: Elisabeth Rosentahl, video still, Pät Schwarz)
Written by Danny Winkler

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