In der Rockposter-Szene hat man es sich inzwischen zum Standart gemacht, Plakate im Siebdruckverfahren zu vervielfältigen. Sicher hat dieses Druckverfahren viele Vorteile und besonders ästhetische Reize. Hat man einmal eine Siebdruck-Grundausrüstung kann man recht günstig Plakate in einer geringen Auflage herstellen. Man kann tolle leuchtende Farbflächen drucken und mit anderen raffinierten Effekten spielen, die im Offset- oder Digitaldruck entweder gar nicht oder nur mit teurem Aufwand zu verwirklichen wären. Für manche Plakatgestalter sind aber auch die Möglichkeiten des Siebdrucks begrenzt und sie sind mit gängigeren Druckverfahren besser bedient. Speziell im Fall gemalter Plakate eignet sich das Siebdruckverfahren mit seinen reduzierten und festgelegten Farbebenen nicht besonders. Die feinen Farbabstufungen, Verläufe und Transparenzen eines Gemäldes würden meist im Siebdruck verlieren. Die Plakate von Gravity-Ink zum Beispiel – eine Mischung aus gemaltem Motiv und digitalem Layout – sind solche Fälle für die der Siebdruck ungeeignet scheint. Besonders gelungen ist das aktuelle Amanda Plamer Plakat von Gravity-Ink: Ein düsteres Aquarell irgendwo zwischen Amadeo Modigliani und Tim Burton-Look. Das Plakat bringt sehr gut die musikalische Atmosphäre der Sängerin zu tage. Melancholisch, düster, liebevoll.

Gravity-Ink
Jay Ryan
Ganz großartig im Umgang mit dem Siebdruck ist Jay Ryan. Seine Plakate leben von den wenigen matten Farbflächen zusammen mit seinen skizzenhaften Zeichnungen. Sein neues Plakat für ein Konzert der Melvins in Chicago ist ein Siebdruck mit sieben Farben.

Dnml
Immer wieder für eine Überraschung gut sind die Kreativen von DNML. Ihr neues Plakat für ein Konzert im Turf Club in St. Paul, Minnesota sieht aus wie eine digitale Störung. Der gezeichnete Charme dieses Digitaleffektes überrascht und macht das Plakat sehr interessant.

The Heads of State
Das vierte Plakat am heutigen Montag überrascht auch. Obwohl die Schrift ihrer Buchstabenanordnung wegen schwer zu entziffern ist, hat man bereits beim ersten Hingucken das Gefühl »Sonic Youth« zu lesen. Man irrt sich nicht, denn tatsächlich ist das Plakat eins für Sonic Youth. Ein sehr interessantes typografisches Plakat aus dem Hause The Heads of State. Auch wenn das Plakat mit Schatten, Transparenzen und Dreidimensionalität spielt ist es ein Siebdruck mit lediglich drei Farben. Sehr interessant ist der Designprozess zusehen. Auf der Twitpic-Webseite http://twitpic.com/84qi8 bekommt man einen kleine Einblick wie der Designer zu diesem Ergebnis kam. (Danny Winkler)
relevante Links:
Gravity-Ink · Jay Ryan · Dnml · The Head of State
